Title ALTTEXT
Die Toskana Deutschlands

ZU GAST BEI DER VIELLEICHT SPORTLICHSTEN FAMILIE DES SCHWARZWALDES

Für ein Maier Sports Fotoshooting zog es unser Team in den Schwarzwald.  Dort traf es Friederike und Karl-Heinz „Charly“ Doll. Die Eltern des Olympioniken und Biathlon-Weltmeisters Benedikt Doll betreiben in Hinterzarten ein Seminarhotel und bringen ihren Gästen mit viel Hingabe die Schönheiten und Delikatessen des Schwarzwaldes näher. Und auch von ihrer beeindruckenden Vita profitieren ihre Gäste.

Wussten Sie, dass der kleine Schwarzwald mit seinen rund 200.000 Einwohnern bei den Olympischen Spielen 2018 im Medaillenspiegel nur einen Platz hinter China mit seinen 1,4 Milliarden Menschen landete? Zu verdanken ist dies vor allem dem 2.000-Seelendorf Breitnau. Dessen Ski-Zunft brachte stolz fünf Olympia- Medaillen nach Hause! Zwei bronzene gewann der Sohn von Friederike und Karl-Heinz „Charly“ Doll.

Dass dieser derart sportlich und ehrgeizig ist, verwundert kaum. Friederike und Charly sind selbst seit Jahrzehnten leidenschaftliche Sportler. So ist Vater Doll 18-facher deutscher Berg- und Ultralaufmeister mit einem Weltrekord im Zwölfstundenlauf, der jahrelang unangefochten blieb.

Mutter Doll trainiert mit einer eindrucksvollen Marathon-Bestzeit von 3:04 Stunden in Bescheidenheit („Ich laufe ohne Trainingsplan und nur nach Lust und Laune“). Und Benedikts Schwester Stefanie feierte als Ausdauersportlerin große Erfolge – gewann etwa den Deutschland Pokal und war mehrfache baden-württembergische Meisterin im Biathlon sowie Siegerin des Schwarzwald-Marathons über die volle und die halbe Distanz. Das Geheimnis dieser außergewöhnlichen, und sympathisch bodenständigen Familie ist im Gespräch schnell gelüftet: knackig frische regionale Ernährung, Spaß am Sport und täglich große Portionen der reinen Schwarzwälder Luft, welche die sauberste in Deutschland sein soll.

Wer also täglich auf Skiern, in Laufschuhen oder auf dem Fahrrad im Schwarzwald anzutreffen ist, hat bestimmt einige heiße Tipps für uns. Klar, dass wir fragen mussten:

Maier Sports: Sie sind beide waschechte Schwarzwälder und kennen den Schwarzwald aufgrund ihrer Leidenschaft für den Ausdauersport wie Ihre Westentasche. Wie sieht Ihr perfekter Tag aus, wenn Sie einen ganzen Tag frei haben?

Charly Doll: Morgens würde ich zum Beispiel mit dem Mountainbike eine Runde um den Feldberg fahren und für eine Suppe in der Wilhelmer Hütte einkehren. Danach ginge es weiter zum Schluchsee, Richtung Bärental. Dort würde ich eine Pause mit Kaffee und Kuchen einlegen und anschließend über den Titisee nach Hause rollen. Und wer dann noch nicht genug hat, der geht anschließend noch ins Badeparadies und macht noch bisschen Wellness.

Friederike Doll: Ach, jetzt hör auf (lacht). Also im Frühling ist es perfekt, morgens Langlaufen zu gehen und mittags mit dem Fahrrad an den Kaiserstuhl zum Radeln zu fahren. Kurzum: Ein perfekter Tag braucht für uns eine Sporteinheit – und Charly braucht mittags noch Kaffee und Kuchen.

Maier Sports: In der Früh Ski fahren und im Anschluss Rad fahren?!

Charly Doll: Ja, bis April kann man bei uns noch Langlaufen.

Friederike Doll: Das gibt’s in Deutschland auch nur bei uns hier im Schwarzwald. Man könnte sagen, wir leben in der Toskana Deutschlands. Nirgendwo in Deutschland ist die Luft reiner und nirgendwo sind die Durchschnittstemperaturen höher als um den Kaiserstuhl herum. Selbst im tiefsten Winter gehen in Ihringen die Temperaturen nur äußerst selten – und wenn, dann kurz – unter null. Und hier im Hochschwarzwald, nur 45 Autominuten entfernt, ist im Winter ab ca. 1.000 Höhenmetern fast immer Wintersport möglich.

 

"Man könnte sagen wir leben in der Toskana Deutschlands. Nirgendwo in Deutschland ist die Lust reiner und nirgends sind die durchschnittlichen Temperaturen höher als um den Kaiserstuhl."

Friederike Doll

Maier Sports: Wann ist dann nach Ihrer Meinung die beste Zeit für einen Schwarzwald-Urlaub?

Friederike Doll: Für uns ist eigentlich der Herbst die schönste Jahreszeit. Zum Wandern sind der Oktober und November einfach traumhaft schön. Aber, wie schon erwähnt, auch der Frühling ist besonders! Maier Sports: Mal ganz polemisch gefragt: Was hat der Schwarzwald, was die Alpen nicht haben?

Charly Doll: Nun ja, in den Alpen ist man im Tal gefangen und Bergtouren sind meist umfangreich. Im Schwarzwald ist man viel flexibler und mobiler. In Kombination mit dem hervorragend ausgeschilderten Wegenetz zum Wandern, Mountainbiken, Nordic Walking und Langlaufen im Winter, kann man hier jede Menge von der Haustür aus unternehmen. Maier Sports: Sie beide haben lange Zeit im Ausland gearbeitet und auch Ihre Kinder sind bereits viel gereist. Gibt es etwas, worin für Sie der Schwarzwald die „Nummer 1“ in Deutschland ist?

Charly Doll: Für mich ist der Schwarzwald die Nummer 1, wenn man sich mit reiner Luft, Genuss, Kultur und Kulinarik versorgen will.

Friederike Doll: Aber wir müssen uns darauf einigen, dass wir im Südschwarzwald sind. Der Nordschwarzwald ist viel dunkler.

Charly Doll: Stimmt, er hat weniger Hochflächen. Im Südschwarzwald hat man mehr Aussicht. Im Norden muss man schon auf kahlgeschlagene Berggipfel gehen, damit man etwas sieht. Bei uns hingegen läuft man nicht so viel durch den Wald.

Maier Sports: Mit Sicherheit gibt es in einer solch sportlichen Region dann auch zahlreiche Events.

Charly Doll: Ja, meinen eigenen zum Beispiel: Deutschlands härtester Halbmarathon! Jedes Jahr Anfang Juni veranstalte ich den X-TrailRun. Auf 21,1 km sind rund 900 Höhenmeter zu bewältigen, darunter sehr steile Anstiege mit Kraxelpassagen. Außerdem gibt es noch eine 10 km lange Fun-Strecke und eine Schülerstrecke.

Friederike Doll: ... und dann gibt’s natürlich noch unsere Top-Events im Jahr: den Ultra Bike Marathon Ende Juni und natürlich das Weltcup-Skispringen in Titisee Neustadt Mitte Dezember.

Maier Sports: Ist der Ultra Bike Marathon denn auch ein Zuschauer-Event?

Friederike Doll: Absolut! Der Ultra Bike Marathon ist eines der größten Bike-Top Events in Europa. Der beste Zuschauerpunkt ist übrigens an der Alpe de Fidlebrugg. Da ist jedes Jahr richtig Party an der Strecke.

Maier Sports: Beim Skispringen sind Sie ja auch involviert. Einige Springer waren bereits zu Gast bei Ihnen, wie Ihre bunte „Wall of Fame“ im Flur dokumentiert.

Friederike Doll: Ja, das japanische und das polnische Skisprung-Team sind Stammgäste bei uns. Mit Noriaki Kasai zum Beispiel haben wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Er nennt mich zum Spaß sogar schon „Mama“, wenn er da ist.

Charly Doll: Ja, aber auch Sven Hannawald war bei uns zu Gast. Oder Tischtennisspieler Timo Boll. Denn die Trainingsbedingungen hier in der Region sind perfekt.

Maier Sports: Außerdem bieten Sie mit Ihrer Küche die ideale Ernährung. 2002 begleiteten Sie die deutsche Olympia Mannschaft als Koch nach Salt Lake City, wie im Internet zu lesen ist. Macht sich Ihr Sport-Hintergrund auch kulinarisch bemerkbar?

Charly Doll: Ich bin einer, der versucht, über die Ernährung sportlich eine Leistungssteigerung rauszuholen. Und ich bin auch einer, der immer versucht, den Gästen Gesundheit durch Ernährung rüberzubringen.

Friederike Doll: Jede Mahlzeit wird erklärt von Charly.

Charly Doll: Genau. Unsere Gäste wissen immer, was im Essen ist, und kennen alle Inhaltsstoff e. Außerdem kaufe ich immer frisch ein. Ich habe keine Lagerhaltung. Wenn etwas weg ist, ist es weg. Es bleibt nichts übrig und es wird nichts gelagert. Und ich kaufe in der Region. Ich bin keiner, der bestellt. Ich bin auch keiner, der etwas kauft, was er nicht zuvor selbst in der Hand gehalten hat.

Maier Sports: Gibt es denn Lebensmittel, von denen Sie der Meinung sind, dass sie besonders gut sind im Schwarzwald?

Charly Doll: Die gibt es. Das ist zum Beispiel Wild. Es ist eines der natürlichsten und besten Fleischsorten, die man bekommt. Es wird nicht gemästet und nicht gezüchtet und stammt direkt aus dem Naturpark. Und natürlich Forellen. Denn wir haben hier viele Bäche. Übrigens gibt es einen Verbund der Naturpark-Köche hier im Schwarzwald. Mitglieder verpflichten sich dazu, regionale Produkte zu verwenden und gezielt Landwirte im Südschwarzwald zu unterstützen. Die Küchen sind sehr hochwertig und ein heißer Tipp!

Maier Sports: Und wie sieht es mit Gemüse aus? Wie halten Sie es beispielsweise mit veganer und vegetarischer Küche?

Charly Doll: Nun ja, Gemüsesorten wie Tomaten zum Beispiel wachsen im Schwarzwald nicht. Diese muss ich am Bodensee kaufen. Aber wir machen sehr viel aus heimischen Wald- und Wiesenkräutern. Und mit Trend-Lebensmitteln wie etwa Quinoa habe ich bereits vor über 20 Jahren gearbeitet.

Friederike Doll steht auf und holt einen Krug selbstgemachter Heu-Limonade. Für diese hat sie Heu ausgekocht und mit Zucker eingedickt. Die Limo schmeckt herrlich. Sie ist erfrischend und schmeckt so, wie eine frisch gemähte Blumenwiese duftet. Maier Sports:

Herr Doll, Sie absolvierten sogar ein Praktikum bei Paul Bocuse, einer weltbekannten Koryphäe französischer Kochkunst. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Charly Doll: Dass man kein Kunstwerk auf dem Teller kreieren muss, um gut zu essen, sondern dass man auch durch einfache Zubereitung und einfache Produkte gutes Essen kochen kann.

 

Frisch hält fit! Nach diesem Grundsatz kommen bei Charly Doll nur regionale Zutaten in Topf und Pfanne, deren Qualität er beim Kauf auch selbst prüfen konnte.

Maier Sports: Gibt es denn regionale Gerichte, die Schwarzwald-Besucher auf keinen Fall verpassen dürfen?

Charly Doll: Ja, da wären zum Beispiel Schäufele (= Schweineschulter, Anm. d. Red.) und Kalbstafelspitz mit Steinpilzsoße. Die Pilze hier sind hervorragend. Es kommt vor, dass meine Frau zwei Stunden beim Laufen ist, weil sie unterwegs immer wieder Pause macht, um Steinpilze zu sammeln.

Maier Sports: Frau Doll, gibt es bei Ihrem Aktionsradius eine Ecke im Schwarzwald, in der Sie lange nicht mehr waren und wo Sie gerne mal wieder hingehen würden?

Friederike Doll: Ja, was ich schon lange mal wieder machen will, ist die Wutach-Schlucht zu durchwandern. Das schaff t man zwar an einem Tag, aber sie ist technisch und konditionell anspruchsvoll.

Maier Sports: Und bei Ihnen, Herr Doll?

Charly Doll: Bei mir ist es der Schwarzwald Wander-Westweg. Das ist ein Fernwanderweg von Pforzheim bis Basel. Ich glaube, rund 280 km lang ist er. Bei gutem Wetter macht das richtig Spaß. Und für den Winter plane ich jedes Jahr den 100-km-Rucksacklauf. Er gilt als härtester Skilanglaufwettbewerb in Mitteleuropa und mit der 60-km-Variante ging für mich im Alter von 24 Jahren die Sport-Karriere los. Eigentlich war es nur eine Wette, dass ich es überhaupt schaff e. Und nun ist das Skilanglaufen bis heute meine große Leidenschaft.

Zum Abschluss des Interviews gibt Familie Doll noch eine Kostprobe ihrer zweiten Leidenschaft neben dem Sport: Auf den Tisch kommt eine gehaltvolle Gemüsesuppe mit Kräutern von der umliegenden Wiese und dazu „Benny’s“ – die neueste Brötchen-Kreation einer benachbarten Bäckerei mit Amaranth und Bananenstückchen zu Ehren von Biathlon-Ass Benedikt Doll. Auch die Laufschuhe haben beide schon an. Bevor die Vorbereitungen für die kommende Reisegruppe weitergehen, geht es zum Nordic Walking.

 

Text and Fotos: David Lemmer