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Das Neuhornbachhaus in den Bregenzerwald

Suche nach dem Winter

 

Dem weißen Zauber haben wir in diesem Jahr in deutschen Mittelgebirgen sehr vermisst. Aber einmal musste es noch sein, dieses Gefühl sich lautlos durch Winterlandschaften zu bewegen. Also begaben wir uns auf die Suche nach dem verloren gegangenen Winter und fanden ihn für ein Wochenende lang im Bregenzerwald.

Von Jutta Reiser & Thomas Latzel

In Schoppernau stellen wir nach der Anfahrt das Auto ab und laufen los, mit schmalem Gepäck und den am Rucksack festgebundenen Schneeschuhen. Wir folgen dem Schlittenweg durch den Wald und schon nach einigen Höhenmetern liegt Schnee und es beginnt zu schneien. Da sind sie die lautlosen Flocken, die die Naturgesetze um die Zeit scheinbar mühelos aus den Angeln heben. Die Zeit scheint einen eigenen langsameren Rhythmus zu finden und auch wir bewegen uns still dazu am Bach entlang, der kräftig rauscht, durch den Wald, 800 Höhenmeter hinauf.

Schon bald ziehen wir die Schneeschuhe über und genießen jede Aussichtslücke mit Winterweitblick, die wir finden. Am letzten Stück, knapp über der Baumgrenze, laufen wir über freies Gelände, der Wind pfeift uns um die Ohren, der Schnee peitscht uns ins Gesicht. Aber wir können das Neuhornbachhaus mit seinen einladenden roten Fensterläden schon sehen. Die Dolen fliegen sturmtanzend und schreiend davor herum, während wir mühsam zum Ziel stapfen.

Angekommen in der warmen Stube werden wir von Gebhard Ruf, dem Hüttenwirt herzlich empfangen und mit Kuchen und Getränken versorgt. Für heute müssen wir nicht mehr raus! Von der guten Stube aus, aus dem Fenster ins Schneetreiben zu schauen, hat ja auch was. Außerdem ist die Sauna im Keller eingeheizt und sorgt für Wärme und Entspannung bevor es zum Abendessen geht. Der Hüttenwirt und seine Köchinnen gehen offen auf meine allergiebedingten Extrawünsche beim Essen ein. Supergut und so weit oben auch keine Selbstverständlichkeit! Das drei-Gänge- Menü endet sehr zur Freude von Thomas mit selbstgebackenen frischen Krapfen, für mich gibt es den Hausgebrannten zum Nachtisch, auch der ist lecker! Wir schlafen herrlich im eigenen Zimmer, nicht im hüttenüblichen Matratzenlager.

 

Am Morgen beim reichhaltigen Frühstück tauschen sich die paar Gäste, Schneeschuhgeher wie wir und Skitourengeher, über mögliche Routen für den Tag aus. Gebhard steht allen mit seiner Erfahrung zur Seite. Er gibt sein Wissen über die aktuelle Schneelage, den Wetterbericht und mögliche Routen gerne weiter. Ein Hüttenwirt mit Leidenschaft für seine Arbeit! Vielmals Danke, Gebhard!

Wir wollen, das Wetter ist wieder klarer, mit den Schneeschuhen noch auf einen Gipfel. Gemütlich und den wenigen Tierspuren folgend laufen wir auf Neuschnee wie auf Wolken bis zum Falzer Kopf (1970m), genießen alles, was wir gesucht haben: den Winter, den Weitblick, die Stille. Ganz nebenbei entdecken wir zwei neue Startmöglichkeiten für unseren Lieblingssport, das Gleitschirmfliegen, machen noch ein paar Fotos und schweben wieder bergab zur Hütte. Dann schnappen wir uns die Schlitten, lassen unsere Rucksäcke und die Schneeschuhe mit der Materialseilbahn runterbringen und genießen jetzt 800 Höhenmeter Schlittenabfahrt durch zum Teil freies Gelände, durch Wald, und über Brücken - immer auf der Spur bleibend. Was für ein Spaß! Die Lachmuskeln werden strapaziert. Unten angekommen tauschen wir die Schlitten gegen unsere Rucksäcke, sind heilfroh den Winter noch einmal gefunden zu haben und sind uns sicher: Wir kommen wieder - und wir freuen uns schon jetzt drauf!

Jutta und Thomas

P.S. Dieser Ausflug ist unbedingt zur Nachahmung empfohlen!